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Aufgrund seiner nach allen Seiten offenen Lage ist der Vogelsberg den Regen bringenden West- und Südwestwinden ausgesetzt. Die Orte am Nord- und Osthang sind zwar davor geschützt, sind aber dafür im Winter offen gegen die kalten Winde aus Nord und Ost. Die Wintermonate im Vogelsberg zeigen sich deshalb unfreundlich, der Frühling zieht spät ein, und im Sommer und Herbst kühlt die Tagestemperatur in der Nacht stark ab. Die Jahresdurchschnitts- temperatur beträgt im 300 Metern Höhe 7,7°C, zum Oberwald hin nimmt sie je 100 Meter Steigung um etwa 0,6° ab und beträgt in 650 Metern Höhe nur noch 6,2°C. Allgemein wird das Vogelsberger Klima als "Reizklima" bezeichnet; es soll sich vorteilhaft bei der Behandlung von Lungen- und Atemwegserkrankungen auswirken.

Bild: Das Vogelsberger Klima wird als "Reizklima" bezeichnet.
Wenn die Abendsonne den Himmel über dem Vogelsberg rot färbt, glaubte man früher, der 'Wilde Jäger' suche die Wetterau heim. Er kam immer von den Höhen des Vogelsbergs herab und kündigte das kurz vor der einbrechenden Dunkelheit mit feurigen Streifen am Himmel an. Alle Leute rannten dann schnell in ihre schützenden Häuser. Einmal soll sich vom Wagen des 'Wilden Jägers' ein Rad gelöst haben und zur Erde gefallen sein. Der Schlag war so laut, dass man ein beginnendes Gewitter befürchten musste. "Wenn's nicht wintert, sommert's auch nicht, pflegt man in der hiesigen Gegend zu sagen. Man erwartet demnach nach einem strengen Winter einen richtigen Sommer, wie er sein soll. Diesmal vergebens. Frühling und Sommer 1888 waren eigentlich nur eine Art Nachwinter.
Der Winter 1894/95 ist einer der schlimmsten gewesen, die der Vogelsberg überhaupt gehabt hat. Selbst die ältesten Leute erinnern sich nicht, so lange eine solche Menge Schnee gesehen zu haben. Auf der Staatsstraße Engelrod-Ulrichstein marschierte man fast ununterbrochen, und so Monate lang, zwischen Schneemauern in der Höhe zwischen einem und drei Metern ..." Das schrieb ein Pfarrer in die Kirchenchronik seiner Vogelsberggemeinde und er fügte an: "An manchen Tagen war das Wooswetter ein ganz fürchterliches."

Bild: Vogelsberger "Wooswetter" oder "Winterfreuden"?

Es kann auch warm sein im Vogelsberg, sehr warm sogar. Dazu nochmals aus der Kirchenchronik: "Seit dem 23. Februar 1893 hat es nun nicht mehr geregnet. Die ältesten Leute entsinnen sich nicht, dass jemals eine gleiche Dürre geherrscht habe. Allenthalben begegnet man Gesichtern voll Verzweiflung. Auf den Feldwiesen steht keine Spitze Gras. Wenn es Gott nicht noch ändert und bald Regen schickt, gehen wir einer furchtbaren Hungersnot entgegen. Ach Herr, bewahre uns davor gnädiglich! - Am 21. Juni wird die Not noch größer, Sonnenschein, nichts als Sonnenschein."
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